Signum Quartett © Irene Zandel
Signum Quartett © Irene Zandel
 

1994 gegründet, erwarb das Quartett schnell durch die schlüssige Dramaturgie in der Programmgestaltung hohe Wertschätzung. Mit dem innovativen Social-Media-Projekt #quartweet machte es 2015 zusätzlich auf sich aufmerksam; 2022 gründete das Quartett den SIGNUM open space als Wirkungsstätte für Proben, Workshops und Musikvermittlung. Mehrfach wurde es als OPUS-Klassik-Gewinner ausgezeichnet. Seit 2016 spielt es in der heutigen Besetzung Florian Donderer und Annette Walther (Violine), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello). Alle sind neben ihrer Quartett-Tätigkeit in weiteren Ensembles aktiv; so war Donderer 2025 als Solist und Dirigent u.a. mit Paavo Järvis Estonian National Symphony Orchestra unterwegs ...

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Fünf Jahre nachdem Leoš Janáček in seinem ersten Streichquartett ein Liebesdrama, inspiriert von Tolstois Kreutzersonate, vertont hatte, greift er erneut zur Streichquartett-Form; im Quartett Nr. 2, Intime Briefe, schreibt er sich 1928 seine aussichtslose, fast aufdringliche Liebe zu der 37 Jahre jüngeren Kamila Stösslová von der Seele, die ihn auch zu Frauengestalten seiner Opern angeregt hatte. Unbeeinflusst vom zeitgleichen Umbruch zur Atonalität entwickelt Janáček seinen eigenen, expressiven und von böhmischem Tonfall gefärbten musikalischen Stil. Die schnelle Wiederholung und Steigerung kurzer melodischer Motive kennzeichnen seine Schreibweise.

Wie tief sich das Signum Quartett in diese Klangwelt eingearbeitet und eingefühlt hat, wurde in der ergreifend exemplarischen Wiedergabe dieses von Kontrasten geprägten Werks deutlich, das in weniger inspirierten Aufführungen oft angestrengt buchstabiert wirken kann. „Es ist meine erste Komposition, deren Töne von all dem Liebenswürdigen durchglüht sind, das wir miteinander erlebt haben“, schrieb Janáček; an Stelle der zunächst vorgesehenen Viola d’amore, die das Liebesglück ausdrücken sollte, setzte er doch eine gewöhnliche Bratsche als Stimme der Frau ein.

In Sextparallelen der Geigen eröffnete das Signum Quartett das einleitende Andante, im folgenden gedämpften Solo der Bratsche sul ponticello drückte Xandi van Dijk ein erstes Mal die Erscheinung der bezaubernden Frau aus. Ein emotionales Drama nahm seinen Lauf; ungeahnte pure und packende Leidenschaft packten die Musizierenden in Janáčeks Musik, reizten Stimmungen bis zum Bersten aus, ließen das Glühen der Verliebtheit in schmeichelndem Adagio, verträumt zärtlicher Erregung aufleuchten. Töne als Liebesbriefe, deren Auffalten das Signum Quartett zur Janáček-Sternstunde machte.

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Dass die Vier, aufgewachsen auch mit The Kinks, Led Zeppelin und Radiohead, mit Rock-Lounge noch ein weiteres Lieblingsprojekt entwickelt haben, wurde in der umfangreichen Zugabe deutlich: Berührungspunkte zwischen Rockmusik und Klassischer Musik auszuloten wird hier Programm. Schon You really got me von The Kinks ließ aufhorchen, wie Rockmusik im Kern auch Kammermusik ist. Matthijs van Dijk, Bruder von Xandi, hat hier die Bearbeitungen ausgefeilt, und mit Heartbreaker sowie Radioheads Paranoid Android rockte das fulminante Quartett, inklusive Stampf- und Klopfkaskaden, den dicht besetzten Gabriel von Seidl-Konzertsaal zu frenetischem Beifall.